Chronische Instabilität des Sprunggelenks: Welche Behandlungen helfen?
Aus einer Verstauchung des Sprunggelenks kann sich eine dauerhafte (chronische) Instabilität des Gelenks entwickeln. Ein Sprunggelenk (auch Fußgelenk genannt) gilt dann als chronisch instabil, wenn das Gelenk sechs Monate nach der ersten Verstauchung immer noch zu leicht nachgibt oder es zu erneuten Verstauchungen gekommen ist. Ein instabiles Gelenk kann leichter wieder umknicken. Etwa 10 bis 20 % der Menschen haben nach einer Verstauchung ein instabiles Sprunggelenk. Mehr über Gelenkverstauchungen können Sie in unserem Merkblatt lesen.
Eine Instabilität des Sprunggelenks kann entstehen, wenn die Bänder überdehnt wurden oder gerissen und zu locker zusammengewachsen sind (mechanische Instabilität). Damit kann auch eine Störung des Zusammenspiels der Gelenkknöchel und der umgebenden Bänder und Muskeln verbunden sein. Dieses Phänomen wird auch als Störung der Tiefenwahrnehmung (Propriozeption) bezeichnet. Die Tiefenwahrnehmung spielt für die Bewegungsabläufe unseres Körpers eine entscheidende Rolle und arbeitet teilweise unbewusst. Mithilfe der Informationen aus dem Körper sorgt sie für die Koordination der Bänder und Muskeln, der Bewegungen und des Gleichgewichts. Wenn sich das Fußgelenk dauerhaft instabil anfühlt, liegt das also vielleicht nicht nur an überdehnten Bändern, sondern auch an einer Störung der Tiefenwahrnehmung beziehungsweise der Muskelkoordination.
Behandlungsmöglichkeiten bei chronischer Instabilität des Sprunggelenks
Bei einer anhaltenden Instabilität gibt es verschiedene Behandlungsoptionen. Zuerst wird versucht, sie funktionell zu behandeln, das heißt, mit Physiotherapie und eventuell dem Tragen einer Schiene. Bleibt das Gelenk instabil, weil die Bänder zu locker sind, kann eine operative Verkürzung dieses Problem lösen. Eine Möglichkeit dabei ist, die Funktion der Bänder durch Kürzen und Straffen wiederherzustellen. Oder es kann eine Sehne aus dem Unterschenkel entnommen und als Außenband in das Sprunggelenk eingesetzt werden. Sehnen bestehen aus ähnlichem Gewebe wie Bänder. Während die Bänder Knochen miteinander verbinden, verknüpfen die Sehnen die Muskeln mit den Knochen.
Selbst wenn ein Problem im Gelenkinneren durch eine Operation behoben werden kann, hat sich während einer länger andauernden Instabilität wahrscheinlich auch eine Störung der Muskelkoordination entwickelt. Deshalb sind Rehabilitationsübungen auch nach einer Operation immer ein wichtiger Teil der Behandlung. Während dieser Zeit ist auch das Tragen einer Schiene hilfreich. Sie gibt dem Gelenk nicht nur äußeren Halt - der Druck soll auch helfen, den Sinn für die richtige Muskelkoordination wieder anzuregen.
Die Forschung
Der beste Weg, um herauszufinden, welche Behandlung bei Knöchelverstauchungen am schnellsten zur Heilung führt, ist es, sie in randomisierten kontrollierten Studien zu testen. Dabei werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip einer Gruppe zugeordnet. In der Behandlungsgruppe erhalten alle die gleiche zu untersuchende Therapie. Eine Vergleichsgruppe erhält eine andere Behandlung. Die Teilnehmenden wählen ihre Behandlung also nicht selbst aus, sondern der Zufall entscheidet, welche Therapie sie erhalten. Dieses Vorgehen ermöglicht es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, unterschiedliche Behandlungsergebnisse tatsächlich auf die Wirkung einer Behandlung zurückzuführen, und verhindert, dass sie von Unterschieden in der Gruppenzusammensetzung beeinflusst werden. Wenn die Teilnehmenden ihre Behandlung selbst auswählen würden, könnte es zum Beispiel passieren, dass sehr sportliche Menschen eine bestimmte Therapie bevorzugen und ein Unterschied im Heilungsverlauf mehr von der körperlichen Fitness der Teilnehmenden abhängt als von der eigentlichen Behandlung.
Um die Frage nach der besten Behandlung für ein chronisch instabiles Sprunggelenk zu beantworten, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration nach aussagekräftigen Studien zu den verschiedenen Therapien gesucht. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, dessen Mitglieder die Ergebnisse von Studien auswerten. Zum Thema chronische Instabilität des Sprunggelenks fanden sie sieben Studien, an denen insgesamt etwas über 300 Personen teilgenommen hatten. Fünf Studien wurden in Skandinavien durchgeführt, eine in Deutschland und eine in den USA. Zwei Drittel der Teilnehmenden waren Männer. Es nahmen nur Erwachsene teil, deren Fußgelenk seit mehr als sechs Monaten instabil war.
Frühzeitige Rehabilitation hat leichte Vorteile
Es fanden sich keine Studien, die eine Operationsmethode direkt mit Physiotherapie oder anderen Rehabilitationsprogrammen verglichen hatten. Dennoch konnte die Forschergruppe einige Erkenntnisse gewinnen. In manchen Studien wurden zwei verschiedene Formen der Nachsorgebehandlung nach einer Operation untersucht. Eine dieser Behandlungen war die Ruhigstellung: Dabei trugen die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer für sechs Wochen eine Schiene, um den Fuß zu stabilisieren und ruhig zu halten.
Die andere Behandlung war die frühzeitige Rehabilitation: Hier trugen die Teilnehmenden nach der Operation zwar auch Schienen, hielten den Fuß aber nur für zwei bis drei Wochen ruhig und begannen anschließend mit einem Übungsprogramm zur Verbesserung der Beweglichkeit. Dabei beugten und streckten sie den Fuß in verschiedene Richtungen. Nach fünf Wochen ergänzten sie diese Übungen mit einem Koordinations- und Kräftigungstraining.
Diese Studien zeigten, dass eine frühzeitige Rehabilitation gegenüber einer längeren Ruhigstellung des Fußes zunächst Vorteile hat. Die Personen in den Rehabilitationsprogrammen konnten eher wieder ihre Arbeit aufnehmen (rund ein bis zwei Wochen) und früher Sport treiben (rund drei Wochen). Nach rund zwei Jahren hatte jedoch keine der Gruppen Vorteile: Beide Gruppen erreichten die gleiche Stabilität und Beweglichkeit der Sprunggelenke.
Es bleibt unklar, ob eine Operation besser ist als die alleinige Rehabilitation
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zogen nur vorsichtige Schlüsse, da sie nur wenige Studien mit zum Teil sehr unsicheren Ergebnissen fanden. In einer Studie wurde ein Operationsverfahren mit dem Namen "Chrisman-Snook" untersucht, bei dem die Bänder mit einer Sehne aus dem Fuß oder Unterschenkel gestärkt wurden. Dabei gab es jedoch mehr Komplikationen, einschließlich Nervenschädigungen. Dies könnte bedeuten, dass andere Verfahren besser sind; allerdings ist noch mehr Forschung nötig, um sicher zu sein.
Welche Behandlung auch eingesetzt wurde: Bei den meisten Menschen besserte sich die Instabilität ihres Sprunggelenks. Es bleibt unklar, ob eine Operation zu einer schnelleren Heilung führt. Wenn die Instabilität bestehen bleibt und die Ursache dafür zu lockere Bänder sind, kann eine Operation infrage kommen.
Mehr über die verschiedenen Möglichkeiten, eine Verstauchung des Sprunggelenks zu behandeln und weitere Verstauchungen zu vermeiden, können Sie hier lesen.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 13. November 2008 12:21
- Letzte Aktualisierung: 14. November 2008 09:38
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
De Vries JS, Krips R, Sierevelt IN, Blankevoort L, van Dijk CN. Interventions for treating chronic ankle instability. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]
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